Wilde Natur der Dominikanischen Republik (Teil 1)
Du bist nicht in die Dominikanische Republik gekommen, um Vögel zu beobachten. Aber die Vögel fallen dir trotzdem auf.
Ein winziger smaragdgrüner Blitz sitzt auf Augenhöhe auf einem Ast – kleiner als deine Faust, schaut dich an, als gehörte ihm der Regenwald. Kolibris huschen so schnell zwischen den Blüten hin und her, dass du dich fragst, ob sie echt sind. Pelikane stürzen aus 10 Metern Höhe senkrecht ins Meer.
Die Wildtiere der Dominikanischen Republik sind nicht hinter Zookäfigen versteckt. Sie sind direkt da – auf niedrigen Ästen, in Berggärten, beim Sturzflug in die Brandung.
Das ist Teil 1: Vögel. Die, die du wirklich auf Ausflügen siehst, nicht die, für die man Fernglas und Dschungelwanderungen im Morgengrauen braucht.
La Cigua Palmera – der Nationalvogel
Palmchat auf Englisch. Ave Nacional seit dem 14. Januar 1987.
Was sie so besonders macht: Sie kommt nirgendwo sonst auf der Erde vor außer auf Hispaniola.
Nicht nur selten – endemisch. Die Familie, zu der sie gehört, hat sich ausschließlich auf dieser Insel entwickelt. Eine Art, eine Familie, ein Ort. Wenn du sie siehst, siehst du Evolution, die genau hier und nirgendwo sonst passiert ist.
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Aussehen: kleine Vogelgröße wie ein Rotkehlchen, olivbraun mit gestreifter Brust, reist in lauten Gruppen.
Was sie tut: frisst Palmbeeren, verbreitet Samen, baut riesige Gemeinschaftsnester in Königspalmen – richtige Vogel-Wohnblocks. Jedes Paar hält seinen eigenen Bereich. Die Nester halten Jahre, manchmal teilen sie andere Arten mit.
Wo sie lebt und brütet: 2–4 Eier pro Gelege. Im Grunde Ökosystem-Ingenieure, getarnt als plappernde braune Vögel.
Die Seilbahn auf den Berg Isabel de Torres führt durch Palmwald – achte auf die massiven Stocknester beim Hochfahren. Wenn du deine erste Reise in die Dominikanische Republik planst und mit der Teleférico fährst, sind diese auffälligen Nester in den Palmen Revier der Cigua Palmera.
Die Bedrohung: Menschen fällen Palmen. Große Bäume verschwinden. Nistplätze gehen verloren. Noch häufig, aber rückläufig.
Wenn du eine Cigua Palmera siehst, siehst du dominikanische Biodiversität in Federn.
Broad-billed Tody – der winzige Star

Der erste Vogel, in den sich fast jeder in den dominikanischen Regenwäldern verliebt.
Kleiner als eine Faust. Smaragdgrüner Körper. Riesige Persönlichkeit. Sitzt auf niedrigen Ästen, als gehörte ihm der Wald – und irgendwie tut er das auch.
Der Broad-billed Tody (Todus subulatus) ist endemisch auf Hispaniola. Nirgendwo sonst auf der Welt. Und im Gegensatz zu scheuen Waldvögeln, die sich im Kronendach verstecken, sitzen Todies direkt auf Augenhöhe und schauen zurück.
Warum sie unwiderstehlich sind:
- Größe: 10 cm. Wiegt weniger als eine AA-Batterie.
- Farben: leuchtend grüne Oberseite, weiße Brust mit rosa Flanken, roter Kehle
- Verhalten: sitzt reglos, dann EXPLODIERT er in den Flug und fängt Insekten in der Luft
- Laut: schnelles „tut-tut-tut“ wie ein winziges Maschinengewehr
Wo du sie siehst:
Wanderwege zu den Damajagua-Wasserfällen. Niedrige Äste am Fluss. Sie verstecken sich nicht – sie treten auf. Bei der Waterfalls Adventure wissen die Guides genau, wo die Todies hängen. Suche nach Bewegung in Taillen- bis Kopfhöhe.
Warum man sie nicht vergisst:
Dieses Grün ist GRELL. Als hätte jemand den Vogel mit Textmarker angemalt. Und sie haben keine Angst – setzen sich einen Meter vor Menschen und stört sie nicht.
Beim ersten Tody greifst du reflexartig zum Handy. Das machen alle.
Kolibris – schneller als das Auge

Berg Isabel de Torres, 800 Meter. Du bist wegen Aussicht, Christus-Statue, botanischem Garten da.
Zwischen den Blumen? Kolibris.
Drei Arten, die du erwischen könntest:
- Vervain Hummingbird – zweitkleinster Vogel der Welt. Wiegt weniger als eine Münze.
- Antillean Mango – smaragdgrün, gebogener Schnabel
- Hispaniolan Emerald – endemisch, schillernd
Wie man sie entdeckt:
Nicht die Blumen anschauen. Den Raum dazwischen. Kolibris landen nicht – sie schweben drei Sekunden, saugen Nektar, weg. Flügelschlag 50–80 Mal pro Sekunde. Dieses Summen ist ihr Geräusch.
Timing ist alles:
Frühmorgens, bevor die Wolken gegen 10–11 Uhr die Spitze einhüllen. Der botanische Garten oben ist extra für sie angelegt – Hibiskus, tropischer Salbei, gezielter Lebensraum. Deshalb pocht der Puerto Plata Reiseführer so auf frühes Hochfahren.
Aussicht + Kolibris = früher Start.
Magnificent Frigatebird
Unverkennbar: riesiger schwarzer Vogel, Flügel wie ein W gebogen, reglos über dem Meer schwebend.

Fregattvögel landen nicht auf Wasser – Federn nicht wasserdicht. Sie rauben anderen Vögeln mitten im Flug die Beute. Buchstäbliche Piraten.
Männchen blasen roten Kehlsack wie Luftballons auf in der Paarungszeit. Sieht absurd aus. Funktioniert.
Cofresí Beach. Sosúa. Bei Bootsausflügen nach Isla Bonita sind sie ständig da – gleiten an der Küste entlang, kaum Flügelschlag.
Brown Pelican
Schau genau: fliegt tief in Formation über den Wellen. Sieht Fisch. Steigt auf 10 Meter. Stürzt senkrecht ins Wasser. Kommt mit Fisch im Kehlsack wieder hoch.
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Playa Dorada. Long Beach. Folgen Fischerbooten auf Essensreste.
Frühe Strandspaziergänge = Pelikan-Fressrausch. Der Aufprall aufs Wasser ist irre. Bei Sonnenuntergangs-Reitausflügen werden tauchende Pelikane Teil der Golden-Hour-Show.
Royal Tern

Weißer Körper, schwarze Kappe, oranger Schnabel, dauernd kreischend.
Das Kreischen am Strand? Königsseeschwalben kämpfen um Fisch. Malecón in Puerto Plata, Bereich Fort San Felipe, jeder Pier. Gar nicht scheu.
Turkey Vultures
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Immer kreisend weil: sie nutzen Thermik – aufsteigende heiße Luft. Fast kein Flügelschlag nötig. Kreisen, steigen, suchen nach Futter.
Was sie tun: räumen auf. Überfahrene Tiere, Kadaver, Verwesung. Ökosysteme brauchen Geier.
Bei Buggy-Abenteuern durch die Berge oben auf Aussichtspunkten nach oben schauen. Truthahngeier immer über dir, surfen auf Gratis-Aufwind. Sie kreisen übrigens nicht über dir, haha.
Jahreszeiten ändern, wer fliegt
Winter bringt Zugvögel. Frühling ist Brutzeit. Regenzeit (Mai–November) bringt Insekten – und damit Insektenfresser in die Wälder.
Wenn Natur für deine Reise wichtig ist, verändert die Reisezeit, was über dir fliegt.
Warum das zählt
Puerto Plata ist nicht nur Resort-Blase. Es ist tropischer Wald, Berg-Ökosysteme, Küstenlebensraum. Vögel sind überall.
Dieser winzige grüne Tody, der dich von einem Ast aus anschaut? Entwickelt sich nur hier. Kolibris, die durch Berggärten summen? Spezialisten der Nebelwälder. Fregattvögel, die über Booten gleiten? Ozean-Meister, die nie Wasser berühren.
Wilde Vögel sind nicht in Reservaten eingesperrt. Sie sind Teil jeder Wanderung, jedes Strandes, jedes Berges, den du erkundest. Kein Fernglas nötig. Nur Aufmerksamkeit.
Unsere Ausflüge in Puerto Plata gehen genau dorthin, wo die Natur lebt – Wasserfälle, Berge, Strände, Wälder. Vögel gibt’s gratis dazu. 🦜